Bild: Keystone
26.02.2010 06:54
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Ein Dank an die Kunden und ein Wink an die Konkurrenz: Postfinance, einer der Gewinner der Finanzkrise, verschickt dieser Tage Hunderttausende von Praliné-Schachteln an ihre Kunden.
Dieser Tage erhalten die Kunden von Postfinance eine süsse Überraschung. Das Staatsinstitut verschickt Pralinés in einer edlen schwarzen Schachtel der Confiserie Sprüngli. «Postfinance - Collection de Truffes» steht auf der Schachtel, in der 25 Leckereien sind.
Wie viele Praliné-Schachteln genau versandt wurden und werden, will Postfinance-Sprecher Alex Josty auf Anfrage von cash nicht sagen. Der Versand ging «an einige hunderttausend Kunden». Zum Vergleich: Die Postfinance zählte Ende 2009 total 2,63 Millionen Kunden.
Gemäss Josty führte die Postfinance anhand «Qualität und Dauer der Kundenbeziehung» eine Triage bei den Kunden durch und entschied dann, wer in den Genuss der Schokolade kommt. Unter Kundenqualität versteht die Postfinance, dass der Kunde für die Postfinance «interessant» ist. Und «interessant» heisst in der Bankensprache «längerfristig rentabel».
Postfinance lässt Muskeln spielen
Einige langjährige Kunden in der Deutschschweiz haben noch keine Geschenke erhalten, während solche in Luzern diese und letzte Woche bereits bedient wurden. «Wir verschicken die Geschenke gestaffelt», so Josty.
Postfinance leistet sich mit den Truffes kostspielige Kundengeschenke. Davon können andere Banken und Finanzinstitute derzeit nur träumen. Während der Finanzkrise flossen dem Staatsinstitut, das letztes Jahr einen Rekordgewinn ausweisen konnte, grosse Mengen an Geldern von verunsicherten Kunden zu. Die Spargelder auf den Depositokonten stiegen 2009 von 13,8 auf 20 Milliarden Franken.
«Als Zeichen der Wertschätzung» für ein «ausgezeichnetes Jahr» steht denn auch im Deckel der Praliné-Schachtel für Postfinance-Kunden.
Was sich Postfinance diese Aktion kosten lässt, sagt Josty nicht. Doch es werden Millionen sein. Denn eine Schachtel à 36 Stück Edeltruffes kostet bei Sprüngli 59 Franken, die kleinere Version mit 16 Stück 31.30 Franken. Rechnet man für die 25 Truffes der Postfinance mit 45 Franken pro Packung und beispielsweise 300'000 Kunden, die diese erhalten, sind dies bereits 15 Millionen Franken.
«Die paar Franken zahlen sich langfristig aus»
Aus dem Fenster geworfenes Geld, um den Grossbanken in Sachen Kundengeschenken die Stirn zu bieten? Nein, sagt Stefan Michel, Marketingprofessor am IMD in Lausanne. «Im Dienstleisungsbereich weiss man, dass loyale Kunden rentabel sind», sagt er. Und gerade bei einem immateriellen Produkt wie einem Konto fehle die emotionale Bindung zum Kunden.
«Mit süsser Schokolade lassen sich Emotionen zur Förderung dieser Bindung gut vermitteln», erklärt Michel. Denn ausser den emotionalen Aspekten gebe es ja keinen rationalen Grund, Schokolade zu essen. So gehe die Investitionsrechung für die Postfinance auf: «Denn die paar Franken, die die Postfinance hier in ein Kundengeschenk investiert, zahlen sich langfristig aus.»
Neben Praliné-Schachteln versandte Postfinance in den letzten Wochen auch ein Finanzhoroskop mit Glückssymbolen, wie beispielsweise Kleeblätter aus Weingummi.
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