Nicht nur der Big Mac ist zu teuer
Von Mirjam Comtesse
Der Big-Mac-Index 2010 des «Economist» zeigt, dass ein Big Mac in der Schweiz viel mehr kostet als in fast allen anderen Ländern. Das britische Wirtschaftsmagazin führt dies darauf zurück, dass der Franken im Vergleich zum US-Dollar überbewertet ist. Doch hinter dem Preisunterschied steckt mehr: «Ein Kilo Rindfleisch ist in der Schweiz teurer, die Miete pro Quadratmeter kostet mehr, die Mindestlöhne sind höher und die Konsumenten haben mehr Ansprüche an die Qualität», sagt der Marketingexperte Stefan Michel von IMD International in Lausanne. Hinzu kommt: Firmen versuchen oft, die hohe Kaufkraft hierzulande abzuschöpfen. Ein Beispiel dafür liefert die Kleidermarke Esprit: Wenn ein Herrenhemd im Ausland 40 Euro kostet, dann verlangt das Unternehmen in der Schweiz gerne 80 Franken dafür. Dabei steht der Euro zum Franken nicht 2:1, sondern nur 1,34:1.
«Schaden für Wirtschaft»
Abzockerei? Michel winkt ab: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei es nur logisch, möglichst viel herausholen zu wollen. «Erst wenn eine Firma ihre Marktmacht ausnutzt, wird es verwerflich. Solange ein Konsument die Wahl hat und sich trotzdem für ein teureres Produkt entscheidet, gibt es kein Problem.»
Anders sieht dies Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS): «Vor allem Markenhersteller nutzen ihren guten Ruf aus, um in der Schweiz höhere Preise zu verlangen.» Es könne nicht sein, dass Händler hierzulande Markenprodukte schon teurer einkaufen müssten, als diese im benachbarten Ausland im Laden verkauft würden. «Das bedeutet für uns einen volkswirtschaftlichen Schaden», meint die Konsumentenschützerin. Sie rät: «Wer sich im Ausland aufhält und Gelegenheit für beispielsweise einen Kleider- oder Schuheinkauf sieht, sollte dies ausnützen.»
Weko schaltet sich ein
Auch der neue Präsident der Wettbewerbskommission (Weko), Vincent Martenet, hat das Problem erkannt: «Wenn die Preise in der Schweiz höher sind, nur weil der Konsument eine höhere Kaufkraft hat, können wir das nicht akzeptieren», erklärte er kürzlich in der «NZZ am Sonntag». Bei Anzeichen auf Beschränkungen des Wettbewerbs eröffne die Weko eine Untersuchung. Schon bald stehe in einem exemplarischen Fall eine solche Untersuchung an. (Berner Zeitung)
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