Die Schweizerische Gesellschaft für Marketing GFM führte am
Mittwoch im Zürcher Kongresshaus zum 20. Mal die Marketing Trend-Tagung
durch. GFM-Präsident Ulrich H. Moser konnte am Anlass rund 600 Fachleute
begrüssen. Die Tagung stand unter dem Motto "Strategic Marketing in
Action". Das Thema dürfte bei den meisten Teilnehmern grosses Interesse
ausgelöst haben, sind doch wirksame Marketingstrategien ausschlaggebend
um in schwierigen Zeiten zu bestehen. Auch in diesem Jahr traten
hochkarätige Referenten auf. So zum Beispiel Prof. Kamran Kashani. Er
sagte vor versammelter Branche: "Das klassische Marketing ist heute
nicht mehr so effektiv wie es einst einmal war. Es ist neues Wissen
gefragt, um strategischen Innovationen zu entwickeln." Das Marketing sei
noch nie so anspruchsvoll gewesen. Die Konsumenten seien
einflussreicher und starke Brands längst nicht mehr so einfach
aufzubauen wie vor Jahren. Die neue Faustregel laute deshalb: "Meet
costumer needs, exactly."
Spannende Erkenntnisse waren auch im Referat von Manor-Chef
Bertrand Jungo zu hören. Unter dem Titel "Strategie - ein Blick zurück
und ein Schritt nach vorne" gewährte Jungo einen Einblick in die
Strategie der grössten Warenhauskette der Schweiz. Jungo will im
Detailhandel nicht in erster Linie mit tiefen Preisen bei den
Konsumenten punkten, sondern mit der Kunst der Verführung künftig
Marktanteile gewinnen. Manor investierte im letzten Jahr rund 85
Millionen Franken in Ausbau der Läden. Für Jungo ist das Erlebnis am POS
entscheidend: "Die Kunden sollen Manor als Ort der Emotion und
Inspiration wahrnehmen." Die Abdeckung in der Schweiz sei praktisch
vollzogen. Manor möchte die Warenhäuser modernisieren. Als Vorbild
zeigte Jungo Bilder der neuen Flaggschiff-Filiale in Genf.
Auch der Marketing-Nachwuchs durfte vor versammelter Branche
auftreten. BWL-Studierende der Uni St. Gallen zeigten auf, wie das
Marketing von Morgen aussieht. Für die jungen Akademiker steht ausser
Zweifel, dass das Internet einer der wichtigsten Faktoren einer
erfolgreichen Marketingstrategie spielen wird. Egal ob die Konsumenten
mit Produkten in Berührung kommen oder diese später kaufen. "Die reale
Welt wird immer sträker mit der digitalen verknüpft", so die
Studierenden, die heute nach eigenen Angaben die Weinwahl auf dem iPhone
treffen. Auch die Werbung müsse eindeutig interaktiver werden. Die
Formel für erfolgreiche Kampagne lieferten sie auch: In einem ersten
Schritt müssen starke zielgruppenrelevante Communities aufgebaut werden.
Erst im zweiten Schritt sollten klassische Wege eingeschlagen werden.
So das Fazit der Jugend.
Am Nachmittag hielt Stefan Michel ein höchst spannendes Referat mit
dem Titel "Strategic Marketing in Action: Globale Trends". Für den
Marketing-Professor am IMD International in Lausanne ist klar, dass die
Kundenorientierung im Sinne der industriellen Logik nicht ausreiche. Die
Kunden seien nicht passive Verbraucher, sondern sogenannte
"Cocreators". Cocreation passiere in Value Constellations. Das heisst:
Wichtig ist nicht, was das Produkt oder Service für den Kunden bringt,
sondern was der Kunde mit dem
Produkt oder Service macht. Zudem vertritt Michel die Ansicht, dass
durch diesen Wandel auch der Geldfluss in Frage gestellt wird. In einer
Wirtschaft nach dem Prinzip Cocreation Logic spielen geringe variable
Kosten, enorme Netzwerkeffekte und Partnerschaften eine wichtige Rolle.
Quelle:
persoenlich.com